Dienstag, 12. Juli 2011

Markus Zusak - Der Joker

Ich muss vorneweg ehrlich sagen: ich bin einer der wenigen Leser, der Markus Zusaks Buch "Die Bücherdiebin" nicht überragend, weltbewegend und erschütternd fand, sondern maximal nett, gegen Ende extrem langweilig und hopplahopp und insgesamt eher durchschnittlich. Deshalb war ich auch nicht gerade hocherfreut, als mir meine Freundin zum Geburtstag letztes Jahr "Der Joker" geschenkt hat, ein weiteres Buch von Zusak - aber zum Glück habe ich es gelesen und eine kleine, aber durchaus nette Perle gefunden ;-)

Ed Kennedy ist einer, dem das Wort Loser in gradezu blinkenden Buchstaben auf die Stirn tätowiert zu sein scheint. Er arbeitet semi-legal als Taxifahrer, ist verknallt in seine Kollegin, die ihn aber nur als Kumpel sieht, und sein Freundeskreis, allen vorn Marvin (der Eds Loser-Status nochmal locker unterbietet) ändert auch nichts an dieser Situation. Nein, Eds Leben klingt wirklich nicht spannend. Das ändert sich aber, asl er eines Tages in seinem Briefkasten eine Spielkarte findet: auf dem Karo-Ass notiert sind drei Adressen und Uhrzeiten - und mit einem Mal ändert sich alles für Ed. Denn ein Unbekannter scheint ihn dadurch aufzufordern, zumindest das Leben anderer Personen zu verändern, wenn er es mit seinem schon nicht tut ...

"Der Joker" ist eindeutig so ein Buch, das man liest und bei dem man am Ende völlig irritiert und verblüfft, aber sicher nicht enttäuscht ist. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass Zusak hier eine Erzählerfigur schafft, die - anders als der Tod in "Die Bücherdiebin - nie langweilig wird. Eds Betrachtungen über sein Leben, seine Freunde und den ganzen Rest sind immer geprägt von einem Hang zur Selbstoironie. Temporeich führt Zusak seine Figuren von einer absurden Situation in die nächste: das Buch beginnt mitten in einem Banküberfall, den Ed und Marvin auf ganz eigene Art durchleben. Und am Ende fragt man sich, warum es manchmal so schwer ist, weiterzuleben und man es trotzdem tut. Und was ein Auslöser für den Sprung über den schatten sein könnte, wie ihn Ed bekommt ...

Doch, ich mag das Buch, vor allem die letzten beiden Sätze. Und ich bin froh, dass ich manchmal als Leser zumindest über meinen Schatten springe und doch noch zu einem anderen vom selben Autor greife, auch wenn er mir nicht zugesagt hat ;-)

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