Mittwoch, 18. Mai 2016

[Rezensionsexemplar] Minette Walters - Der Keller

Muna weiß nicht, wie alt sie ist. Oder wo genau sie in London wohnt. Alles, was sie weiß, ist wie sie die Familie Songoli zufrieden stellen kann. Denn diese hält Muna als Haussklavin in ihrem Eigenheim. Nachts wird sie in den Keller gesperrt, vor die Tür darf sie nicht gehen, ein Telefon hat sie nie gelernt zu benutzen. Doch dann verschwindet eins Tages der jüngere Sohn auf dem Schulweg und die Familie Songoli muss Muna vor den ermittelnden Polizisten als geistig zurückgebliebene Tochter ausgeben. Was niemand ahnt, Muna ist alles andere als geistig zurückgeblieben - in ihr stecken viel mehr Pläne als jeder sich vorstellen kann ...

Kaum hatte ich die Inhaltsangabe gelesen, war für mich klar, dass ich das Buch lesen muss. Da kam es mir grade Recht, es als Rezensionsexemplar für das bloggerportal zu besprechen, und tatsächlich habe ich die Seiten gradezu verschlungen. Denn Minette Walters beherrscht es, fesselnd zu schreiben und immer wieder neue Wendungen einzubauen, die mich als Leser überraschen. In diesem Fall muss ich aber auch sagen, dass mich mit zunehmenden Verlauf des Buches diese Wendungen eher irritiert haben, denn die Autorin zaubert immer neue Kaninchen aus dem Hut, die die Geschichte zwar vorantreiben, dabei auch immer unglaubwürdigere Wege beschreiten. Und dann hört das Buch auch schon auf mit einem offenen Ende, das auf mich eher so wirkt, als wäre Minette Walters keine wirkliche Lösung mehr eingefallen, sodass es einfach nur schnell beendet wird.

Dazu kommt, dass mich die Charaktere nicht zu fesseln vermochten. Gerade Muna ist effektiv am Anfang weder groß bemitleidenswert (dazu erfährt man vor ihrem Wandel zu wenig von ihr) und nach ihrer allmählichen Wandlung ist sie aber auch keine großartige psychologisch ausgefeilte Bösewichtin, sondern bleibt immer noch fade und grau. Es war mir effektiv ziemlich gleichgültig, was genau mit ihr passiert, und daslieggt vor allem an ihrer Darstellung. Sie fesselt nur über die Handlungen, nicht über ihre Charaktereigenschaften, wenn man versteht, was ich meine. Für einen Psychothriller war das Buch zu kurz und zu wenig ausgefeilt, es ist eher eine Vorstudie, die sich schnell lesen, sich aber ebenso schnell wieder vergssen lässt. 

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